Preisanpassung und Gasumlagen – Fragen und Antworten

Was ist die Gasbeschaffungsumlage?

Der Russland-Ukraine Krieg führt zu weitreichenden Verwerfungen auf den Energiemärkten. Russland ist kein zuverlässiger Lieferant mehr. Seither ist es immer wieder zur Drosselung des Gasflusses nach Deutschland gekommen.Die Folge: Um die Lieferausfälle zu kompensieren, müssen Gasimporteure kurzfristig Ersatz zu hohen Preisen beschaffen. Die Bundesregierung hat beschlossen, die Zusatzkosten der Ersatzbeschaffung dieser Gasimporteure – vor allem Uniper – ab Oktober auf alle Gaskunden in Deutschland umzulegen.

Die Umlage soll ab dem 01.10.2022 gelten und kann alle drei Monate angepasst werden, also erstmalig zum 01.01.2023. Falls einige kleinere Gasimporteure den Anspruch auf Auszahlung der Umlage verlieren, wenn sie anderweitig hohe Konzerngewinne haben, würde dies voraussichtlich zum 01.01.2023 von der Politik korrigiert. Die Gasumlage wurde kalkuliert vor dem Lieferstopp der Nordstream1 und kann sich erhöhen, wenn die Gasimporteure mehr teures Ersatzgas auf den Weltmärkten nachkaufen müssen.

Die Umlage selbst ist ein sinnvolles Instrument, um Gasimporteure wie Uniper zu retten und einen Zusammenbruch der Gasversorgung zu verhindern. Der Preisbestandteil der staatlich veranlassten Umlagen (das war auch bei der EEG-Umlage Strom so) muss von allen Gasversorgern einkassiert werden.

Was ist die Gasspeicherumlage?

Am 30.04.2022 ist das neue Gasspeichergesetz der Bundesregierung in Kraft getreten. Die Gasspeicher müssen zu bestimmten Stichtagen Mindestfüllstände als Wintervorrat vorweisen. Diese Vorratskosten werden per Umlage ab 01.10.2022 auf alle Gaskunden umgelegt.

Warum erhöht BürgerGas den Preis?

Durch die extrem steigenden Energiepreise infolge des Russland-Ukraine-Kriegs sind unsere Tarife nicht mehr kostendeckend. Daher können wir eine Anpassung leider nicht vermeiden. Die sich immer weiter zuspitzende Gasmangellage erlaubt keinen Aufschub. Die neuen Abschläge werden erst zum Datum der Preisanpassung erhoben. Das verschafft Ihnen einige Wochen Vorlaufzeit für die Haushaltsplanung.

Warum werden die Abschläge erhöht?

Die steigenden Preise sollen den Kunden nach Empfehlung der Bundesnetzagentur zeitnah mitgeteilt werden, inklusive der erhöhten Abschläge: „Gaskunden müssen sich auf eine Verdreifachung der Abschläge einstellen – mindestens“, sagt Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur (Quelle/Link: RND, 14.07.2022).

Über die hohen Preise soll ein Einsparanreiz gesetzt werden. Hohe Preise zeigen die Knappheit eines Gutes und führen zu einer Dämpfung des Verbrauches. Zudem werden ein Nachzahlungsschock und entsprechende Zahlungsstörungen verhindert.

Mit Inkrafttreten der neuen Umlagen zum 01.10.2022 ist BürgerGas gesetzlich verpflichtet, diese für die Wintermengen sofort an die staatlich bestimmten Stellen abzuführen. Dafür ist eine Abschlagserhöhung unumgänglich.

Die von der Bundesregierung angekündigte Senkung der Mehrwertsteuer geben wir selbstverständlich sofort weiter und haben dies auch schon bei den Abschlägen berücksichtigt. Da die Politik im Anpassungsstress der Kriegswirtschaft ist, kann es kurzfristig sowohl zu einer Änderung der Mehrwertsteuersätze als auch zu einer Korrektur der Umlagen und Steuern kommen. Wir haben selbst darauf keinen Einfluss, sondern nur Arbeit damit.

Sollten sich die Steuern und Umlagen in wesentlichem Umfang ändern, wird BürgerGas dies mitteilen. Weitere Informationen zur Mehrwertsteuersenkung und Gasumlagen finden Sie unter diesem Link auf der Homepage der Bundesregierung.

Wie kommt die Höhe der Abschläge zustande?

Die Berechnung von Abschlägen bei Gasverträgen richtet sich generell nach einer Standardformel. Die Gesamtjahreskosten zu aktuellen Preisen werden in 12 gleiche Monatsabschläge geteilt: Abschlag = monatlicher Grundpreis + (kWh-Jahresverbrauch * Arbeitspreis je kWh) /12

In den Sommermonaten wird sehr wenige Gas verbraucht: Der Kunde zahlt mit dem Abschlag daher mehr als seinem Verbrauch entspricht. In den Wintermonaten ist es umgekehrt: Der Kunde zahlt mit dem Abschlag weniger als dem Winterverbrauch entspricht. Über ein Jahr – das ist der übliche Abrechnungszeitraum – gleicht sich das aus, wenn sich Preise (inkl. Umlagen und Steuern) nicht ändern. In kalten Jahren mit höherem Jahresverbrauch gibt es mengenbedingt eine Nachzahlung, in warmen Jahren eine Rückzahlung.

Sonderfall Gasumlagen und Nachholeffekt:

Die geplante Gasbeschaffungsumlage schafft nun aber einen Sonderfall, denn sie kann nicht mit der oben genannten Standardformel gleichmäßig auf das gesamte Jahr gerechnet werden. Zudem gibt es infolge der hohen Gaspreise im Großhandel einen Nachholeffekt. Im Einzelfall können die Abschläge damit insgesamt 2,2- bis 3-fach höher sein als als vorher. Die Erklärung ist folgende:

Die Gasbeschaffungsumlage von 2,419 ct/kWh (neu ab 01.10.22) , die Gasspeicherumlage von 0,059 ct/kWh (neu ab 01.10.22) und die (in den Gasbeschaffungspreisen enthaltene) Bilanzierungsumlage Gas von 0,57 ct/kWh (bis 30.9.22: 0 ct/kWh) müssen von den Gasversorgern sofort für die Wintermengen an die staatliche bestimmten Stellen bezahlt werden. Die Summe der gestiegenen Gasumlagen beläuft sich auf 3,048 ct. Da jedoch im Wintermonat (ab November) die doppelte Menge an Gas verbraucht wird, müssen weitere Zahlungen zusätzlich sofort über die Abschläge eingenommen und an die staatlichen Stellen weitergleitet werden. Für Gasversorger wie BürgerGas ist dies nur ein durchlaufender Posten.

Jenseits der Gasumlagen haben sich die Gaspreise bereits seit 2021 erhöht. BürgerGas hat, wie viele Versorger, mit der Preiserhöhung nicht sofort bei allen Kunden die Abschläge erhöht. Spätestens mit der Jahresrechnung werden auf Grundlage der aktuellen Jahresverbräuche die neuen Abschläge automatisch berechnet. Die Abschlagserhöhungen hinken für manche Kunden noch hinter den aktuellen Preisen hinterher. Es gibt daher bei einzelnen Kunden einen Nachholeffekt bei der Abschlagserhöhung von durchschnittlich ca. 10%.

Das Risiko eines kalten Winters um +10% Verbrauchsmenge hat BürgerGas wie in den Vorjahren einkalkuliert. Auch die nötigen Risikozuschläge für den Gashandel sind abgedeckt, weil BürgerGas eine hohe Eigenkapitalquote hat und über 10 Jahre am Markt tätig ist. Der Abschlag, der den monatlichen Grundpreis abdeckt, bleibt (netto) unverändert.

Die Einsparbemühungen der Verbraucher sind bisher unklar. Zwar besteht die Hoffnung auf 5% Einsparung, aber dies kann durch einen kalten Winter, verstärktes Homeoffice, verschleppte Heizungswartung bei Handwerkermangel u.Ä. unterlaufen werden. Trotz aller Diskussion um Klimawandel ist es keinesfalls sicher, dass die Winter generell wärmer werden, und weniger Heizenergie nötig wird. Vermutlich wird das Wetter wechselhafter oder extremer. Es kann statistisch wieder ein kalter Winter mit wochenlangem Dauerfrost kommen.

Die meisten Kunden erhalten im Januar/Februar ihre Verbrauchsabrechnungen. Wir haben die Abschläge so berechnet, dass bei normalem Winter möglichst keine großen Nachzahlungen oder Guthaben entstehen. Mit der Verbrauchsabrechnung wird der Abschlag neu berechnet. Bei Einsparung des Verbrauches wird automatisch auch ein geringerer Jahresverbrauch für die zukünftigen Abschläge errechnet.

In einige Schnäppchenportalen und Ratgebern wird davon abgeraten, die Abschläge zu erhöhen. Stattdessen sollen die Verbraucher das Geld selbst als Reserve auf die Seite legen. Oft spielen schlechte Erfahrungen mit Billiganbietern eine Rolle, die verdeckte Preiserhöhungen, Bonusprellerei, Nichtauszahlung von Guthaben oder auch überhöhte oder doppelte Abschläge gezogen haben, um eine Vorkasse à la Teldafax zu erlangen. Einige dieser Billiganbieter sind insolvent gegangen, die Vorkasse war oft weitgehend verloren.

Ein solches riskantes Geschäftsmodell der Billiganbieter – meist wurden die Kunden über Preisportale gelockt – hat BürgerGas immer abgelehnt.

Für BürgerGas ist es als schlanker Gasversorger wichtig, dass Zahlungen des Kunden an BürgerGas und Zahlungen von BürgerGas an Lieferanten und Umlagen/Steuerempfänger reibungslos und zeitnah erfolgen. Weder Überzahlung noch Unterzahlung ist in unserem Interesse, wir sind weder Einlagenbank noch Lieferkreditinstitut: Denn da würden nur Banker oder Versicherer mitverdienen.

Können Kunden die Abschläge nicht bezahlen, sollten sie unverzüglich sozialstaatliche Hilfen in Anspruch nehmen (z.B. Wohngeld) oder einen Sozialtarif beim Grundversorger erfragen, der oft in direktem Kontakt mit den entsprechenden Behörden ist oder auch direkt monatlich abrechnen kann.

Politisch wird in Berlin eine finanzielle Belohnung fürs solidarische Einsparen von Gas diskutiert. Solche Bonusmodelle bietet BürgerGas nicht an und auch Minister Habeck hat dies abgelehnt: „Die 50 Euro kriegst du nicht, Alter!“ (Quelle/Link: heute journal, 23.06.2022) Aber es steht dem Kunden frei, einen Versorger zu wählen der solche Bonusmodelle anbietet.

Ein Sonderkündigungsrecht ohne Einhaltung einer Frist ergibt sich sowohl durch die Änderung der Steuern und staatlich veranlassten Umlagen zum 01.10.2022 als auch durch jede Preiserhöhung.

Energiespartipps

Für Haushaltskunden ist genug Gas vorhanden. Sie sind per Gesetz vor Versorgungsunterbrechung geschützt. Dennoch ist es vernünftig und sinnvoll, im Privathaushalt Gas einzusparen. Nützliche Tipps dazu finden Sie (Link)  hier auf unserer Webseite.

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